Pheromone werden auch als Duft-, Lock- und Botenstoffe bezeichnet. Es handelt sich hierbei um Stoffe, die von einem Individuum in die Luft abgegeben werden und das Verhalten, die Physiologie (z.B. den Hormonspiegel) oder die emotionale Stimmung eines anderen Individuums verändern. Pheromone sind unsichtbar, geruchlos und wirken unterbewußt. Mit Hilfe von Pheromonen lassen sich wichtige Informationen übertragen. Im Tierreich dienen sie z.B. zur Verwandtenerkennung, zur sozialen Kommunikation und zur Partnerfindung. Neueste Studien zeigen, daß die Pheromone auch beim Menschen in diesen Bereichen eine wichtige Rolle spielen.
Der Körper produziert ständig Pheromone. Die über die Haut verteilten apokrinen Drüsen produzieren ein öliges Sekret, das schließlich von Bakterien abgebaut wird. Die Zusammensetzung der Bakterienstämme auf der Haut und der damit entstehende Körpergeruch werden unter anderem durch das Immunsystem bestimmt. Geruchliche “hot spots” (Konzentrationen der apokrinen Drüsen) befinden sich im Haaransatz, um die Nase (Naso-Labial-Furche), im Brustbereich, auf der Stirn, an Handflächen und Fußsohlen, und vermehrt unter den Achseln und im Schambereich. Die Pheromonproduktion unterliegt Hormonschwankungen, ändert sich erstmals mit der Pubertät und dann regelmäßig immer wieder mit dem weiblichen Zyklus.
Das Jacobson-Organ - oder auch Vomeronasalorgan (VNO) - ist darauf spezialisiert, Gerüche zu erkennen, die spezifische Informationen über Geschlecht, Fortpflanzungsbereitschaft und Dominanzstatus bereithalten. Es wirkt als Apparat, der dazu da ist Pheromone aufzuspüren und zu verarbeiten.
Da das Jacobson-Organ meist zu klein ist, um es mit bloßem Auge erkennen zu können, hat man lange gedacht, es hätte sich beim Menschen im Lauf der Evolution zurückgebildet. Neue Forschungen zeigen aber, daß es existent und sogar funktionsfähig ist. Bereits 1703 wurde das Organ erstmals vom Militärarzt Ruysch beschrieben, 1811 dann erneut von dem dänischen Arzt Jacobson entdeckt. 1985 wurde es von Johnson, Josephoson & Hawke bei visueller Inspektion bei 29 % aller Personen und nach Entfernung des entsprechendes Gebiets aus der Nase unter dem Mikroskop bereits in 70% aller Fälle gesichtet. 1991 konnten Moran et al. es dann anhand einer speziellen Spiegelkonstruktion bei allen gesunden Personen entdecken.
Beim Jacobson-Organ handelt es sich um winzige Einbuchtungen im hinteren Drittel an beiden Seiten der Nasenscheidewand in 1-2cm Höhe und 1 mm über dem Boden der Nase. Der Durchmesser der Öffnung zum Nasenraum kann zwischen 0,2 mm und 2 mm betragen. Die Öffnung verläuft in einen 1 cm langen, paarig angelegten, blind endenden Schlauch mit direkter Verbindung zum Gehirn. Der Vomeronasalnerv verbindet die Rezeptoren des Jacobson-Organs mit dem Hypothalamus im limbischen System (dem Zentrum der menschlichen Emotionen). Es handelt sich hierbei, wie auch beim Geruchssinn, um eine direkte Verbindung des zentralen Nervensystems mit der Außenwelt. [Abbildung siehe http://www.cf.ac.uk/biosi/staff/jacob/teaching/sensory/vno.gif]
In Versuchen der Universität Utah wurde nachgewiesen, daß nur die Zellen im Jacobson-Organ auf Pheromone reagieren. Schon nach einer zehntausendstel Sekunde vermag das Jacobson-Organ eine Pheromonmenge ab 30 Pikogramm zu registrieren (30 Millionstel eines Milliardstel Milligramm) und meldet den wahrgenommenen Reiz unmittelbar an das Gehirn. Zur optimalen Wahrnehmung ist aber eine Distanz von mindestens 3 cm Voraussetzung.
Beim Menschen haben Pheromone hauptsächlich eine soziale und sexuelle Funktion. Zur sozialen Funktion zählen z.B. das Erkennen von Familienmitgliedern, insbesondere von Müttern und ihren Kindern, denn jede Familie hat ihren eigenen spezifischen Geruch. Es gibt Pheromone, die bei Angst produziert werden, andere unterstützen Dominanzverhalten, und wieder andere können die Gruppenzugehörigkeit stärken z.B. beim Sport oder in Arbeitssituationen. Androstandion ist beispielsweise dazu in der Lage Nervosität, Anspannung und negative Gefühl zu reduzieren. Ferner synchronisieren Frauen, die zusammenleben ihren Menstruationsyklus. In einem 1998 durchgeführten Versuch von Martha McClintock glichen Frauen, denen man den Unterarmschweiß einer anderen Frau auf die Oberlippe appliziert hatte, ihren Menstruationszyklus entsprechend an. Evolutionsgeschichtlich kann man das dadurch begründen, daß ein Eisprung zur gleichen Zeit auch eine Geburt zur gleichen Zeit bedeutete, und somit eine optimale Resourcennutzung für die Pflege und Sicherheit der Nachkommen.
In sexueller Hinsicht dienen Pheromone vor allem dazu, den biologisch passendsten Partner zu finden. Es ist möglich bereits am Geruch zu erkennen, wer mit einem blutsverwandt und somit den eigenen Genen zu ähnlich ist. Da Pheromone vielfach in der vom Außenrand der Nasenflügel zu den Mundwinkeln verlaufenden Naso-Labial-Furche abgesondert werden, kann man Küssen auch unter dem Gesichtspunkt eines genetischen Kompabilitätstests betrachten. Menschen die sich buchstäblich “nicht riechen können”, d.h. den Körpergeruch des anderen abstoßend finden, sind sich immun-genetisch sehr ähnlich, auch wenn sie nicht verwandt sind. Was der Mensch also als Instinkt bezeichnet, welcher die Ablehnung oder Akzeptanz des Gegenüber bestimmt, ist mitunter nichts weiter als das Jacobson-Organ, das die Immun-Gene (MHC-Gene) des Anderen danach analysiert, ob diese zu den eigenen ähnlich oder komplementär sind. Evolutionsbedingt ist ein Gegensatz reizvoller, da durch eine Mischung unterschiedlicher Gene die Überlebensfähigkeit des Nachwuchses verbessert und Inzest vermieden wird.
Frauen sind am empfänglichsten für männliche Duftstoffe zur Zeit des Eisprungs. Es kann aber durchaus sein, daß der Eisprung vom weiblichen Körper verhindert oder später eine Fehlgeburt ausgelöst wird, wenn die MHC-Gene (major histocompability complex genes) des Mannes den eigenen zu ähnlich sind. “Fremde” Männer (= Konkurrenzpheromone) im näheren Umfeld einer Frau (z.B. in einem Haushalt mit den Schwiegereltern und Schwager) können sich außerdem fertilitätshemmend auswirken.
Abschließend ist noch hinzuzufügen, daß hormonelle Kontrazeptiva, wie z.B. die Pille, dem Körper eine Schwangerschaft vortäuschen, was wiederum zu einer veränderten Partnerwahl führen kann. Normalerweise werden während des Eisprungs wie bereits erwähnt bevorzugt Partner mit von einem selbst abweichenden MHC-Genen gesucht um gesunde Nachkommen zu produzieren, während einer Schwangerschaft werden jedoch ähnliche MHC-Gene bevorzugt, um den „Nestbau“ im Kreise der Sippe optimal zu gestalten. Die Pille nimmt also diesen Schritt vorweg und beschert einem dadurch wohlmöglich einen Partner, den man sich sonst vielleicht nicht ausgesucht hätte.
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DAS JACOBSON-ORGAN UND DIE WIRKUNG DER PHEROMONE:
Pheromone werden auch als Duft-, Lock- und Botenstoffe bezeichnet. Es handelt sich hierbei um Stoffe, die von einem Individuum in die Luft abgegeben werden und das Verhalten, die Physiologie (z.B. den Hormonspiegel) oder die emotionale Stimmung eines anderen Individuums verändern. Pheromone sind unsichtbar, geruchlos und wirken unterbewußt. Mit Hilfe von Pheromonen lassen sich wichtige Informationen übertragen. Im Tierreich dienen sie z.B. zur
Verwandtenerkennung, zur sozialen Kommunikation und zur Partnerfindung. Neueste Studien zeigen, daß die Pheromone auch beim Menschen in diesen Bereichen eine wichtige Rolle spielen.
Der Körper produziert ständig Pheromone. Die über die Haut verteilten apokrinen Drüsen produzieren ein öliges Sekret, das schließlich von Bakterien abgebaut wird. Die Zusammensetzung der Bakterienstämme auf der Haut und der damit entstehende Körpergeruch werden unter anderem durch das Immunsystem bestimmt. Geruchliche “hot spots” (Konzentrationen der apokrinen Drüsen) befinden sich im Haaransatz, um die Nase (Naso-Labial-Furche), im Brustbereich, auf der Stirn, an Handflächen und Fußsohlen, und vermehrt unter den Achseln und im Schambereich. Die Pheromonproduktion unterliegt Hormonschwankungen, ändert sich erstmals mit der Pubertät und dann regelmäßig immer wieder mit dem weiblichen Zyklus.
Das Jacobson-Organ - oder auch Vomeronasalorgan (VNO) - ist darauf spezialisiert, Gerüche zu erkennen, die spezifische Informationen über Geschlecht, Fortpflanzungsbereitschaft und Dominanzstatus bereithalten. Es wirkt als Apparat, der dazu da ist Pheromone aufzuspüren und zu verarbeiten.
Da das Jacobson-Organ meist zu klein ist, um es mit bloßem Auge
erkennen zu können, hat man lange gedacht, es hätte sich beim
Menschen im Lauf der Evolution zurückgebildet. Neue Forschungen
zeigen aber, daß es existent und sogar funktionsfähig ist. Bereits
1703 wurde das Organ erstmals vom Militärarzt Ruysch beschrieben,
1811 dann erneut von dem dänischen Arzt Jacobson entdeckt. 1985 wurde es von Johnson, Josephoson & Hawke bei visueller Inspektion bei 29 % aller Personen und nach Entfernung des entsprechendes Gebiets aus der Nase unter dem Mikroskop bereits in 70% aller Fälle gesichtet. 1991 konnten Moran et al. es dann anhand einer speziellen Spiegelkonstruktion bei allen gesunden Personen entdecken.
Beim Jacobson-Organ handelt es sich um winzige Einbuchtungen im
hinteren Drittel an beiden Seiten der Nasenscheidewand in 1-2cm Höhe und 1 mm über dem Boden der Nase. Der Durchmesser der Öffnung zum Nasenraum kann zwischen 0,2 mm und 2 mm betragen. Die Öffnung verläuft in einen 1 cm langen, paarig angelegten, blind endenden Schlauch mit direkter Verbindung zum Gehirn. Der Vomeronasalnerv verbindet die Rezeptoren des Jacobson-Organs mit dem Hypothalamus im limbischen System (dem Zentrum der menschlichen Emotionen). Es handelt sich hierbei, wie auch beim Geruchssinn, um eine direkte Verbindung des zentralen Nervensystems mit der Außenwelt.
[Abbildung siehe
http://www.cf.ac.uk/biosi/staff/jacob/teaching/sensory/vno.gif]
In Versuchen der Universität Utah wurde nachgewiesen, daß nur die
Zellen im Jacobson-Organ auf Pheromone reagieren. Schon nach einer zehntausendstel Sekunde vermag das Jacobson-Organ eine Pheromonmenge ab 30 Pikogramm zu registrieren (30 Millionstel eines Milliardstel Milligramm) und meldet den wahrgenommenen Reiz unmittelbar an das Gehirn. Zur optimalen Wahrnehmung ist aber eine Distanz von mindestens 3 cm Voraussetzung.
Beim Menschen haben Pheromone hauptsächlich eine soziale und sexuelle Funktion.
Zur sozialen Funktion zählen z.B. das Erkennen von Familienmitgliedern, insbesondere von Müttern und ihren Kindern, denn jede Familie hat ihren eigenen spezifischen Geruch. Es gibt Pheromone, die bei Angst produziert werden, andere unterstützen Dominanzverhalten, und wieder andere können die Gruppenzugehörigkeit stärken z.B. beim Sport oder in Arbeitssituationen. Androstandion ist beispielsweise dazu in der Lage Nervosität, Anspannung und negative Gefühl zu reduzieren. Ferner synchronisieren Frauen, die zusammenleben ihren Menstruationsyklus. In einem 1998 durchgeführten Versuch von Martha McClintock glichen Frauen, denen man den Unterarmschweiß einer anderen Frau auf die Oberlippe appliziert hatte, ihren Menstruationszyklus entsprechend an.
Evolutionsgeschichtlich kann man das dadurch begründen, daß ein
Eisprung zur gleichen Zeit auch eine Geburt zur gleichen Zeit
bedeutete, und somit eine optimale Resourcennutzung für die Pflege
und Sicherheit der Nachkommen.
In sexueller Hinsicht dienen Pheromone vor allem dazu, den biologisch passendsten Partner zu finden. Es ist möglich bereits am Geruch zu erkennen, wer mit einem blutsverwandt und somit den eigenen Genen zu ähnlich ist. Da Pheromone vielfach in der vom Außenrand der Nasenflügel zu den Mundwinkeln verlaufenden Naso-Labial-Furche abgesondert werden, kann man Küssen auch unter dem Gesichtspunkt eines genetischen Kompabilitätstests betrachten. Menschen die sich buchstäblich “nicht riechen können”, d.h. den Körpergeruch des
anderen abstoßend finden, sind sich immun-genetisch sehr ähnlich,
auch wenn sie nicht verwandt sind. Was der Mensch also als Instinkt
bezeichnet, welcher die Ablehnung oder Akzeptanz des Gegenüber
bestimmt, ist mitunter nichts weiter als das Jacobson-Organ, das die Immun-Gene (MHC-Gene) des Anderen danach analysiert, ob diese zu den eigenen ähnlich oder komplementär sind. Evolutionsbedingt ist ein
Gegensatz reizvoller, da durch eine Mischung unterschiedlicher Gene die Überlebensfähigkeit des Nachwuchses verbessert und Inzest
vermieden wird.
Frauen sind am empfänglichsten für männliche Duftstoffe zur Zeit des
Eisprungs. Es kann aber durchaus sein, daß der Eisprung vom
weiblichen Körper verhindert oder später eine Fehlgeburt ausgelöst
wird, wenn die MHC-Gene (major histocompability complex genes) des Mannes den eigenen zu ähnlich sind. “Fremde” Männer (= Konkurrenzpheromone) im näheren Umfeld einer Frau (z.B. in einem
Haushalt mit den Schwiegereltern und Schwager) können sich außerdem fertilitätshemmend auswirken.
Abschließend ist noch hinzuzufügen, daß hormonelle Kontrazeptiva, wie z.B. die Pille, dem Körper eine Schwangerschaft vortäuschen, was
wiederum zu einer veränderten Partnerwahl führen kann. Normalerweise werden während des Eisprungs wie bereits erwähnt bevorzugt Partner mit von einem selbst abweichenden MHC-Genen gesucht um gesunde Nachkommen zu produzieren, während einer Schwangerschaft werden jedoch ähnliche MHC-Gene bevorzugt, um den „Nestbau“ im Kreise der Sippe optimal zu gestalten. Die Pille nimmt also diesen Schritt vorweg und beschert einem dadurch wohlmöglich einen Partner, den man sich sonst vielleicht nicht ausgesucht hätte.
BIBLIOGRAPHIE:
- Ebberfeld, Ingelore, Körperdüfte, Königstein, 2001
- Langthaler, W.U., Partnererkennung, Flirt und unsere zweite Nase, Münster, 2001
- Pease, Allan & Barbara, Warum Männer lügen und Frauen immer Schuhe kaufen, München, 2002
- Vroon, Piet, Psychologie der Düfte, Zürich, 1996
- Watson, Lyall, Der Duft der Verführung, Frankfurt a.M., 2001
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